Beissen, Brennen, unangenehmen Ausfluss und Rötungen im Intimbereich haben die meisten Frauen schon einmal bemerkt. Diese Art von Beschwerden sind häufig Grund für eine Vorstellung beim Frauenarzt.

 

Im Jahre 1892 wurden die Milchsäurebakterien entdeckt. Seither weiss man, dass deren Vorhandensein in der Scheide ein saures Milieu verursacht und somit einer Verbreitung unangenehmer Bakterien und Pilzen entgegenwirkt. Die sogenannte Scheidenflora ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel weiss man, dass es durch die veränderte hormonelle Situation in den Wechseljahren oder auch in der Schwangerschaft zu einer Häufung von Infektionen kommen kann. Unter anderem können auch Stress, eine schlechte oder übermässige Intimhygiene, Ernährung oder Medikamenteneinnahme durch Reizung oder eine Veränderung des Scheidenmilieus Infektionen begünstigen.

 

Untersuchungsablauf

Bei Beschwerden, die auf eine Entzündung im Scheidenbereich hindeuten, ist eine gynäkologische Untersuchung in den allermeisten Fällen notwendig.

Zunächst wird die äussere Genital- und Analregion betrachtet. Anschliessend erfolgt die Beurteilung des Scheideninneren und des Gebärmutterhalses. Eine Probe der Scheidenflüssigkeit wird entnommen und unter dem Mikroskop analysiert. Eine zusätzliche Analyse in einem Labor kann in Spezialfällen angezeigt sein.

Zum Abschluss erfolgt die Tastuntersuchung des inneren Genitales/Unterbauches zur Beurteilung, ob eine reine Infektion der Scheide vorliegt oder zusätzliche Beschwerden wie z.B. Unterbauchschmerzen oder vergrösserte Eierstöcke vorhanden sind.

 

Häufige Scheideninfektionen

Hefepilzinfektion

  • meist harmlose Überbesiedelung der Scheide mit Hefepilzen
  • Symtome: Juckreiz, bröckeliger Ausfluss, Rötung
  • Selbstbehandlung mit frei erhältlichen Präparaten möglich
  • Ärztliche Vorstellung bei häufigen Infektionen, ausbleibender Besserung, Schwangerschaft, zusätzlichen Beschwerden (Fieber, Schmerzen, Blutung)
  • Behandlung mit antimykotischen (gegen Pilz wirksamen) Medikamenten

 

Bakterielle Vaginose

  • Ungleichgewicht zwischen bestimmten Bakterien zu Ungunsten der Milchsäurebakterien
  • Symptome: dünnflüssiger Ausfluss, fischiger Geruch, Brennen, Juckreiz
  • Spontane Ausheilung: 10-20%, hohe Rückfallquote
  • Ärztliche Vorstellung: Schwangerschaft! (Risiko für Frühgeburt), anhaltende und/oder zusätzliche Beschwerden (Fieber, Schmerzen, Blutung)
  • Behandlung mit desinfizierenden oder antibiotischen Medikamenten

 

Mischentzündung

  • Sehr häufige Kombination aus Pilz- und bakterieller Infektion
  • Symptome: Kombination aus oben genannten Beschwerden
  • Ärztliche Vorstellung: ausbleibende Spontanheilung, Schwangerschaft, zusätzliche Beschwerden (Fieber, Schmerzen, Blutung)
  • Behandlung mit desinfizierenden, antibiotischen und antimykotischen Medikamenten

 

Herpesinfektion

  • Sexuell übertragbare Infektion mit Herpesviren
  • Symptome: Blässchen und offene Stellen im Genital- und Analbereich, schmerzhaftes Brennen, Beschwerden beim Wasserlassen, Lymphknotenschwellung
  • Ärztliche Vorstellung: dringend notwendig!
  • Behandlung mit antiviralen Medikamenten, Schmerzmittel bei Bedarf

 

Diese Übersicht zeigt lediglich häufige Scheideninfektionen an und ist nicht vollständig.

Nicht erwähnt wurden die meist sexuell übertragenen Infektionen mit Bakterien, welche bei Nichtbehandeln zu ernsthaften Entzündungen der Organe im Unterbauch führen können.

 

Empfehlung

Bei den typischen Beschwerden wie Juckreiz und bröckeligem Ausfluss, welche auf eine reine Hefepilzinfektion hinweisen, kann eine Behandlung mit frei verkäuflichen Medikamenten versucht werden.

In der Schwangerschaft, bei ausbleibender Besserung sowie bei allen anderen Beschwerden sollte der Frauenarzt aufgesucht werden. Eine Analyse der Scheidenflüssigkeit ist mit wenig Aufwand verbunden und gibt direkt Hinweis auf die Art der Erkrankung. Eine Behandlung kann meist direkt durchgeführt werden.

Ausserdem können nur so andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ohne Behandlung Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und spätere Gesundheit haben können.